Bürgermeisterinnen – Wie attraktiv ist der Job eines Bürgermeisters / einer Bürgermeisterin?

Frauen in der Politik – auch in führender Position – kennt ihr sicher alle und ihr könnt wahrscheinlich auch einige Namen nennen. Schwieriger wird das wahrscheinlich, wenn ihr Lokalpolitikerinnen anführen sollt. Der Frauenanteil in politischen Ämtern ist in Österreich auf kommunaler Ebene besonders gering: nur 6% aller Gemeinden werden etwa von einer Bürgermeisterin geführt.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso es auf Ebene der Gemeinden so wenige Frauen in politischen Ämtern gibt? Welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass es so viele Bürgermeister aber so wenig Bürgermeisterinnen gibt? Ob der Frauenanteil in der Kommunalpolitik in allen Ländern so gering ist oder ob das nur in Österreich so ist?

Ausgehend von der Frage „Wie attraktiv ist der Job des Bürgermeisters / der Bürgermeisterin in Österreich?“ kannst du weiterforschen und versuchen, Gründe für die aktuelle Lage zu finden. Die folgenden Überlegungen dienen dir als Impulse für deine eigene Forschungsarbeit.

Die Karte

Im Jahr 1948 wurde in Niederösterreich erstmals eine Frau als Bürgermeisterin angelobt: Zenzi Hölzl (SPÖ) lenkte zehn Jahre die Geschicke von Gloggnitz. Seitdem ist die Zahl der Ortschefinnen zwar gestiegen – aktuell werden 141 Gemeinden von Frauen geführt – dies entspricht jedoch nur 5.9% aller österreichischen Gemeinden. Kommunalpolitik liegt somit nach wie vor in Männerhand.

9.7% aller niederösterreichischen Gemeinden werden mittlerweile von Frauen geführt. Somit ist Niederösterreich das Bundesland mit den meisten weiblichen Ortschefinnen in Österreich. Die steigende politische Präsenz von Frauen auf Kommunalebene startete jedoch erst in den späten 1990er Jahren.

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Gemeinden mit Bürgermeisterinnen 2015, Österreichweit

Mit der Maus über die Zeitleiste fahren zeigt die Gemeinden mit Bürgermeisterinnen im jeweiligen Jahr.
Datenstand 2015. Kartendaten: OpenStreetMap und Mitwirkende
Quelle: Österreichischer Gemeindebund, Land Niederösterreich
Verwendung: Kartenbild & Texte CC-BY 3.0 AT / Namensnennung: genderatlas.at

Um die Jahrtausendwende gab es in Österreich nur 45 Bürgermeisterinnen, die 2.314 Bürgermeistern gegenüberstanden. Die Zahl der Bürgermeisterinnen ist in Österreich seitdem angestiegen, jedoch nicht in allen Bundesländern gleichermaßen. Die erste Bürgermeisterin im Bundesland Salzburg wurde erst im Jahr 2004 im Pinzgau angelobt, 56 Jahre nach der Pionierin Zenzi Hölzl.

Themenfeld: Wie attraktiv ist der Job eines Bürgermeisters / einer Bürgermeisterin?

  • Recherchiere seit wann es in Österreich Bürgermeisterinnen gibt und dokumentiere welchen Parteien sie angehören. Kannst du hier Trends erkennen? Gibt es wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen?
  • Du könntest auch der Frage nachgehen, welcher persönliche und politische Hintergrund notwendig ist, um dieses Amt zu bekleiden. Recherchiere die Lebensläufe von mehreren Bürgermeistern / Bürgermeisterinnen und vergleiche wie wichtig Ausbildung, eine gute politische Vernetzung, eine (bestimmte) Parteizugehörigkeit, (Berufs-)Erfahrung und/oder persönliche Motivation sind. Zeigen sich Unterschiede bei Frauen und Männern? Führe zu diesen Fragen eventuell auch ein Interview mit einem Bürgermeister / einer Bürgermeisterin.
  • Informiere dich über die Aufgaben, Rechte und Pflichten einer Bürgermeisterin / eines Bürgermeisters in Österreich. Recherchiere unter anderem zu folgenden Fragen: Welchen Gestaltungsspielraum haben BürgermeisterInnen – und nutzen Frauen diesen anders als Männer? In welchen Politikbereichen ist die „Macht“ der BürgermeisterInnen besonders groß? Was ist juristisch bzw. politisch tatsächlich machbar? Wo liegen die Grenzen für (zu) eigenmächtiges Handeln?
  • Zusätzlich könntest du recherchieren, ob und in welcher Form Kooperationen zwischen Gemeinden / zwischen Bürgermeistern/Bürgermeisterinnen üblich sind. Sind Bürgermeisterinnen besonders selten oder besonderes häufig in derartige Kooperationen eingebunden? Kooperieren die von Bürgermeisterinnen geleiteten Gemeinden anders als die von Bürgermeistern geleiteten Gemeinden? Gibt es (parteiübergreifende) Kooperationen zwischen Bürgermeisterinnen?
  • Du könntest dich im Weiteren auch fragen, wie das Verhältnis von Männern und Frauen in den Gemeinde- bzw. Stadträten aussieht und vertiefend recherchieren, für welche Ressorts die Frauen zuständig sind. Inwiefern entspricht das deinen Erwartungen?
  • Spannend ist es auch herauszufinden, wie Österreich im Hinblick auf die Beteiligung von Frauen in der Kommunalpolitik im Vergleich zu anderen Ländern dasteht. Finde Vergleichsstudien bzw. recherchiere Vergleichszahlen.
  • Setze dich mit den täglichen Herausforderungen und Problemen von Bürgermeisterinnen auseinander. Was sind die spannenden Aspekte am Leben als Bürgermeisterin? Welchen Herausforderungen stellen sie sich gerne? Was ist mühsam? Womit würden sich die Frauen lieber nicht beschäftigen / auseinandersetzen? Worauf könnten sie verzichten? Inwiefern und in welchem Ausmaß sind sie mit klassischen Frauenklischees konfrontiert? Gibt es hier eventuell Unterschiede zwischen Stadt und Land?
  • Ein wichtiger Punkt im Leben jedes Politikers/jeder Politikerin ist der Wahlkampf, den du bestimmt schon in Form von Plakaten, öffentlichen Auftritten und gegebenenfalls Zeitungsbeiträgen und Fernsehauftritten mitverfolgt hast. Stelle dir folgende Fragen zu den Unterschieden von Frauen und Männern in Wahlkämpfen: Sprechen sie andere Themen an? Vertreten sie ähnliche Positionen wenn sie der gleichen Partei angehören? Wählen sie andere Slogans und Plakatsujets, andere Orte für ihre Wahlveranstaltungen? Wird Sprache und Gestik anders eingesetzt? Werden Frauen in Interviews und bei Debatten andere Fragen gestellt als Männern?
  • Wie viele Bewerberinnen um ein politisches Mandat gab es bei den letzten Wahlen in deiner Gemeinde auf den Listen der verschiedenen Parteien? Wie viele haben sich um das Amt als Bürgermeisterin beworben? Ist es leicht oder schwierig, Frauen zur Bewerbung um ein politisches Mandat zu ‚überreden‘? Wie werden die Wahllisten der verschiedenen Parteien erstellt? Ist es in manchen Parteien leichter als Frau an wählbarer Stelle auf Wahllisten zu kommen? Gibt es Frauen in deiner Gemeinde, die gerne kandidiert hätte, denen dies aber verwehrt wurde?
  • Du könntest die Frage, wie leicht bzw. schwer es als Frau ist für ein politisches Amt zu kandidieren und gewählt zu werden, auch ausweiten: Gibt es – neben Unterschieden nach Parteien – auch Unterschiede nach Bundesländern und/oder Gemeindegrößen? Was könnten Ursachen für diese Unterschiede sein?
  • Recherchiere Biographien verschiedener Bürgermeisterinnen und analysiere und dokumentiere ob es Parallelen in deren Leben gegeben hat.
  • Erstelle auf Basis von eigenen Überlegungen bzw. Literaturrecherchen eine Liste an Voraussetzungen die eine Frau mitbringen muss, um Bürgermeisterin werden zu können und in diesem Amt auch zu bestehen / zu überleben. Führe ein Interview mit einer Bürgermeisterin und überprüfe, ob deine Annahmen auch in ihrem Fall zutreffen.
  • PolitikerInnen werden üblicherweise über Weiterbildungsprogramme ihrer eigenen Parteien auf politische Aufgaben vorbereitet. Seit einigen Jahren gibt es auf (über)regionaler Ebene eine Vielzahl von Programmen bzw. Projekten, um Frauen, die in die Politik gehen wollen, auch unabhängig von einer Parteizugehörigkeit auf politische Aufgaben vorzubereiten und bei diesen zu unterstützen. Recherchiere zu einem dieser Programme / Projekte genauer: Was wird angeboten? Wie wurde/wird es in Anspruch genommen? Wie erfolgreich war/ist es? Verlasse dich nicht nur auf Programm- oder Projektberichte, sondern führe auch Interviews mit Verantwortlichen oder Teilnehmerinnen. Diskutiere die Ergebnisse kritisch.
  • In der Karte zur historischen Entwicklung der Bürgermeisterinnen in Niederösterreich ist in den letzten Jahren in einigen Regionen eine Ballung von Bürgermeisterinnen in angrenzenden Gemeinden zu erkennen. Vielleicht möchtest du dir dieses Phänomen in einer der Regionen ja genauer ansehen. So ein Thema würde sich auch gut für eine Bearbeitung durch eine Gruppe eignen oder für ein Klassenprojekt - insbesondere wenn es eure Heimatorte / euren Heimatbezirk betrifft. Folgende Fragen könntest du / könntet ihr dann zusätzlich stellen: Inwiefern hat es Vorbildwirkung, wenn es bereits eine Bürgermeisterin in einer angrenzenden/nahen Gemeinde gibt? Hat eine der Frauen die andere persönlich animiert, sich das Amt zuzutrauen, sie eventuell sogar bei der Bewerbung unterstützt? Mit welchen Argumenten haben Frauen andere Frauen animiert zu kandidieren? Gibt es eine besondere Form oder eine besonders enge Zusammenarbeit der Bürgermeisterinnen? Inwiefern gibt es hier Vorbildwirkungen und Zusammenarbeit sogar über Parteigrenzen?
  • Aufbauend auf Recherchen zum Alltag von Bürgermeisterinnen: Überlege dir, was an diesem Alltag verändert werden müsste, damit mehr Frauen bereit wären, dieses politische Amt zu übernehmen. Diskutiere mit Vertretern und Vertreterinnen aus der Politik, inwiefern deine Vorschläge umsetzbar wären und in wessen Verantwortungsbereich eine Umsetzung fallen würde.
  • Führe eine Befragung bei politisch engagierten Frauen in deiner Gemeinde durch. Unter welchen Voraussetzungen würden sie sich das Amt als Bürgermeisterin zutrauen und es auch übernehmen. Fasse die Ergebnisse der Befragung in Form eines Maßnahmenkatalogs zusammen und stelle diesen im Gemeinderat vor.
  • Erstelle ein Konzept für eine Kampagne, die Frauen dazu animieren könnte, sich stärker aktiv für politische Ämter in einer Gemeinde zu bewerben. Dieses Konzept sollte auf jenen Recherchen basieren, wie sie unter „Dokumentieren“ und „Analysieren“ angeregt wurden. Überlege dir vor Beginn der Konzepterstellung, an wen die Kampagne genau gerichtet sein soll (Bewohnerinnen deiner Gemeinde / deines Bezirkes / alle Österreicherinnen, politisch engagierte Frauen, Schülerinnen …). Inkludiere in das Konzept konkrete Vorschläge zum generellen Aufbau der Kampagne aber auch zu einzelnen Schritten (etwa konkretes Werbematerial).

Forschungsmethode

Für diesen Beitrag empfehlen wir die folgende Forschungsmethoden:

 

Weitere Infos

Weiterführende kommentierte Quellen, Materialien und Links (Stand Oktober 2016).
  • Hofer K. und Wolfgruber E. (2000): "Warum werden Frauen nicht gewählt?" Zur Situation von Frauen in der Kommunalpolitik. In: Politik und Geschlecht: Dokumentation der 6. Frauenringvorlesung an der Universität Salzburg, WS 1999/2000, hrsg. E. Wolfgruber, S. 249-272. Innsbruck, Wien, München: Studien-Verlag. Die Studie basiert auf 32 Interviews mit Kandidatinnen für das Bürgermeisteramt anlässlich der Salzburger Gemeinderatswahlen 1999 sowie einer Telefonbefragung zur Einstellung der Bevölkerung zu Frauen in der Politik. Sie ist gut als Basisliteratur für viele Fragestellungen zu verwenden, die zur Themenbearbeitung vorgeschlagen werden.
  • Obertegger J. und Oedl-Wieser T. (2014): Mehr Frauen in die Kommunalpolitik durch Politiklehrgänge in Tirol – Vision oder Wirklichkeit? In: Frauen am Land. Potentiale und Perspektiven. Hrsg.: Larcher M., Oedl-Wieser T., Schmitt M. und Seiser G., S. 104-124. Innsbruck, Wien: Studien-Verlag. Setzt sich mit der Frage auseinander, ob Politiklehrgänge für Frauen ein geeignetes Mittel sind, um mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu gewinnen.
  • Lehner V. (2007): Politische Partizipation von Frauen auf kommunaler Ebene in Oberösterreich. Diplomarbeit, Johannes-Kepler-Universität Linz. Weitere Studie zur historischen und (relativ) aktuellen Situation in Oberösterreich. Der empirische Teil basiert ebenfalls auf Interviews mit Bürgermeisterinnen.
  • Steiner-Hämmerle K. und Oppitz F. (Hrsg.) (2013): Handbuch Gemeindepolitik. Wien: Verlag Österreich. Hier finden sich sehr umfassende grundlegende Informationen zu den Aufgabenfeldern und Funktionsweisen von Kommunalpolitik. Im Beitrag von Karl Anderwald zur „Gemeindepolitik in Österreich“ findet sich ein eigenes Kapitel zur Kommunalpolitik als Männerdomäne (S. 14–16). Im Beitrag von Kathrin Seiner-Hämmerle zu den „Kommunalwahlen in den Bundesländern) findet sich ein eigenes Kapitel zu Frauen in der Gemeindepolitik (S. 30–32).
  • Bundesministerin für Frauen und Öffentlicher Dienst (2010): Frauenbericht 2010. Bericht betreffend die Situation von Frauen in Österreich im Zeitraum von 1998 bis 2008. Wien: Bundeskanzleramt. Kapitel 8. Repräsentation und Partizipation von Frauen in Politik und Wirtschaft, S. 351‒385. Im Kapitel 8 im Frauenbericht 2010 findest du umfangreiches Datenmaterial zur Repräsentation und Partizipation von Frauen in Politik und Wirtschaft. Schaue dir auch ältere Frauenberichte an, wenn du weiter in die Geschichte zurückgehen willst. Wenn du dich spezifisch für ein Bundesland interessierst, solltest du dir auch die Frauenberichte ansehen, die für das entsprechende Bundesland erstellt wurden.
  • gemeindebund.at: Neuer Rekord – 140 Bürgermeisterinnen in Österreich Der Österreichische Gemeindebund ist der Dachverband der Interessensvertretungen der Gemeinden auf Bundesebene und publiziert regelmäßig aktuelle Daten. In diesem Artikel aus dem Jahr 2015 geht es um den Anstieg der Anzahl der Bürgermeisterinnen in Österreich. Er enthält auch eine Tabelle für die Bundesländer.
  • meinbezirk.at: Frauenpower – Alle Bürgermeisterinnen in Österreichs Gemeinden Die Karte ermöglicht es dir, via Google Maps in verschiedene Gemeinden „hineinzuzoomen“ und die Namen sowie Parteien der Bürgermeisterinnen herauszufinden. Zusätzlich kann man zu jeder Bürgermeisterin ein Foto, ihre Berufsausbildung sowie den Familienstand abfragen.
  • dieStandard.at Die Tageszeitung „Der Standard“ hat eine eigene Seite zur Frauenpolitik in Österreich, in deren Archiv sich einige interessante Artikel finden lassen. Achte darauf, dass sie möglichst aktuell sind bzw. recherchiere Zahlen eigenständig nach. Denke daran, dass du auch selbst mit den JournalistInnen bzw. InterviewpartnerInnen Kontakt aufnehmen könntest.
  • alpbach.org Das European Forum Alpbach organisiert regelmäßig Treffen von BürgermeisterInnen, bei denen aktuelle Themen diskutiert werden.
  • fgoe.org: BürgermeisterInnen-Seminar Diese Seite bietet einen interessanten Einblick in die Weiterbildung für BürgermeisterInnen und kann als spannende Grundlage für Interviewfragen zum Themenkreis beruflicher Hintergrund, Qualifikationen, Persönlichkeitsprofil etc. dienen.
Beitrag: Hannah Fietz, Michael Schachinger, Christiane Hintermann